Das Ego Teil 2: Der ständige Vergleich!

Wie uns das Ego immer besser oder schlechter macht …

Nachdem es im 1. Teil der Serie um die Ego-Funktion „Schuldzuweisung an andere” ging , geht es im 2. Teil um die Ego-Funktion „Vergleichen” bzw. um das Feststellen der Unterschiedlichkeit.

Das Ego ist immer auf der Suche nach einer Differenzierung für seinen Menschen. Es lebt davon, sich von den anderen abzuheben, dabei werden der/die andere als Maßstab herangezogen.

  • „Ich bin besser (als der/die andere).” bzw. „Der/Die macht das nicht so gut wie ich.”
  • „Ich bin schöner (als der/die andere).” bzw. „Der/Die hat eine schlechtere Figur als ich.”
  • „Der/Die kann das richtig gut.” bzw. „So gut wie der/die werde ich nie.”
  • „Der/Die hat eine tolle Figur.” bzw. „So würde ich auch gern aussehen.”

Damit ist man entweder der Sieger in diesem selbst produzierten Wettbewerb oder steht auf der Verliererseite. Leider werden die unterschiedlichen Grundlagen für einen direkten Vergleich häufig nicht berücksichtigt und somit Äpfel mit Birnen verglichen.

Ein Beispiel aus der Pubertät

Jugendliche vergleichen in der Pubertät nicht selten ihr Aussehen mit den überall abgebildeten Models. Diese haben die Pubertät schon einige Jahre hinter sich gelassen und werden für Werbespots oder Castingshows professionell geschminkt. Was dann noch an unreiner Haut oder vermeintlichen Pölsterchen zu sehen ist, wird per Bildbearbeitung wegretuschiert. Schon werden den Jugendlichen zwei völlig unterschiedliche Ausgangssituationen vom Ego als gleich vorgegaukelt und übrig bleibt: Der/Die andere ist schöner, schlanker oder was auch immer.

Das Ego als Lebensretter

Dieser Differenzierungsmechanismus des Egos ist Folge unserer menschlichen Entwicklung und hat uns früher das Leben gerettet, wenn es um die Notwendigkeit der richtigen Einschätzung ging:

  • Habe ich eine Chance, das Tier erfolgreich zu jagen …
  • oder lasse ich es, weil ich als Mahlzeit enden werde? (Es ist schneller, kräftiger, ausdauernder, …)

Aus der blitzschnellen Entscheidung des Egos ergab sich die nächste Aktion: Jagd oder Flucht. Das Ego musste vergleichen, was keine gemeinsame Grundlagen hatte: Mensch mit 2 Beinen und einer einfachen Waffe gegen einen muskelbepackten Säbelzahntiger mit 4 Beinen und einem kräftigen Gebiss.

Das Ego heute: mehr Ballast als Rettung

Was damals unser Überleben sicherte, ist heute noch aktiv. Allerdings wurde die Ursprungs-Programmierung nie auf unser heutiges Leben upgedatet, so dass sich daraus einige Fehlinterpretationen ergeben können.

Diese sind schwieriger zu entdecken, da sie im eigenen Kopf entstehen. Kommt uns ein anderer Mensch mit einem hinkenden Vergleich, fällt uns das wesentlich schneller auf: „Der Fiat ist genauso sicher wie ein Mercedes!”. Wir bemerken sofort, dass diese Statistik einen Haken haben muss.

Vermutlich glauben wir der Stimme in unserem Kopf einfach mehr, die pubertierenden Jugendlichen sind das beste Beispiel. Das Ego sagt: „Das Model ist schöner.” Da liegt die Messlatte, da musst du hin (… also verändere dich, um diese Figur zu bekommen, sonst bist du nicht schön.) Obwohl die Ausgangssituationen wie finanzielle Mittel, Styling-Team, Computertechnik nicht im Geringsten vergleichbar sind, wird dieser Denkfehler selten registriert.

Die Gefahr des Wettstreits

Während wir mit der Differenzierung beschäftigt sind und schauen, dass wir schlechter als der/die anderen sind, bemerken wir selten, welches Potential wir tatsächlich haben. Wir beschränken uns darauf, dem Maßstab schöner/besser/toller hinterherzurennen und vergessen dabei, dass wir uns durch eigene Talente und Begabungen auszeichnen.

Eigenverantwortung: Hinterfragen Sie die Stimme im Kopf!

Indem Sie die veraltete Programmierung des Egos durchschauen und aus diesem Wettkampf aussteigen, haben Sie eine bessere Chance, Ihre individuellen Fähigkeiten zu entdecken. Decken Sie dazu hinkende Vergleiche in Ihrem Kopf auf. Diese Fragen können Ihnen einen Anhaltspunkt dafür bieten:

  • Bewundern Sie jemanden und versuchen, ihm nachzueifern?
  • Möchten Sie so sein wie …?/Möchten Sie niemals so sein wie …?
  • Haben Sie eine Messlatte, die Sie erreichen wollen?
  • Streben Sie an, ein besseres Auto als Ihr Nachbar zu haben – oder ein größeres Haus, ein Boot …?

Übernehmen Sie die Eigenverantwortung und hinterfragen Sie die Grundlagen der Beurteilung, um erkennen zu können, ob Ihr Ego Sie in die Irre führt. Hinkt der Vergleich oder hinkt er nicht?

Genießen Sie die Vorteile

Haben Sie erst damit angefangen, werden Sie das Ego-Spiel des Vergleichens immer leichter durchschauen. Das bietet viele Vorteile:

  • Sie fokussieren sich auf Dinge, die Ihnen Spaß machen! (Sie wissen, dass Sie nicht mehr der Messlatte anderen Menschen hinterherrennen müssen.)
  • Der Leistungsdruck sinkt! (Sie wissen, dass Sie nicht in allen Bereichen perfekt sein müssen.)
  • Sie entdecken Ihre Potentiale und Fähigkeiten! (Weil Sie den Fokus auf sich richten.)
  • Ihr Selbstwert steigt! (Ihnen ist klar, was Sie können und was Sie wollen.)
  • Sie haben mehr Zeit! (Sie wissen, dass Vergleiche ein Ego-Spiel sind und machen nicht mehr mit.)

Ach übrigens: Lästern ist ebenfalls ein ego-getriebener Vergleich. Sie beschäftigen sich dabei mit anderen Menschen, um sich als Sieger fühlen zu können.

Doch möchte ich Sie auf einen weiteren positiven Aspekt hinweisen.

Bieten Sie Ihren Kindern eine bessere Welt!

Als Elternteil sind Sie immer ein Vorbild. Kinder lernen durch das, was ihnen vorgelebt wird. Übernehmen Sie die Verantwortung für Ihr Handeln, werden Ihre Kinder das ebenfalls tun. Sie dürfen und sollten Ihren Kindern diesen Ego-Mechanismus vermitteln. Sorgen Sie dafür, dass Ihre Kinder nicht auf die hinkenden Vergleiche im eigenen Kopf hereinfallen. Schaffen Sie die Basis für

  • weniger Leistungsdruck,
  • größere mentale Stärke,
  • verbesserte Resilienz,
  • eine Stärkung des Selbstbewusstseins,
  • mehr Klarheit.

Wenn Sie wissen wollen, wie Sie das anstellen können, melden Sie sich zum Eltern-Workshop am 12.12.2018 in Dortmund an.

Teil 3 zum Thema Ego folgt Ende November!

Nachdem es in Teil 1 um das Abschieben der Schuld auf die anderen ging, geht es in Teil 3 der Ego-Reihe (Ende November) um den Mechanismus, immer Recht haben zu müssen. Auch dieses Ego-Spiel treibt uns in Abgründe, die uns das Leben richtig schwer machen können.

Ich wünsche Ihnen von Herzen viel Erfolg und Leichtigkeit beim Aufdecken der ego-gesteuerten Differenzierungen. Sie dürfen sich richtig über die entdeckten Fälle freuen, weil es bedeutet, dass Sie zukünftig nicht mehr darauf hereinfallen – und das ist ein schöner Gedanke, finden Sie nicht auch?

Haben Sie Fragen? Schreiben Sie mir, gern über das Kommentarfeld unter dem Blogbeitrag.

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Blogbeitrag: Oktober 2018 / Bildnachweise: https://pixabay.com/

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